AKTUELLES

Auf dieser Seite wird laufend über Neues berichtet oder auf aktuelle Situationen hingewiesen.

Liebe Igelfreunde,

aufgrund sehr vieler Anrufe von verunsicherten Menschen, denen um diese Jahreszeit noch ein häufig extrem kleiner Igel begegnet, möchte ich mit folgender Info zur Aufklärung beitragen:

Die heurige Extremsituation, dass nämlich noch so viele große und vor allem enorm viele, sehr kleine Igel unterwegs sind, war vorhersehbar.

  • Zu den Jungtieren: Igel, die im Vorjahr zu spät zur Welt kamen, waren auch heuer später geschlechtsreif und werfen demgemäß später. Erschwerend kam die lange Regen- und Kaltwetterperiode hinzu, die das Ganze noch um ca. 4 bis 6 Wochen nach hinten verschob.
  • Zu den älteren Igeln: diese hatten vor allem einerseits das Problem der langen Trockenheit und des Insektenmangels. Auch diese findet man gehäufter als in anderen Jahren tagsüber hilfsbedürftig herumirren, sind abgemagert und können die entsprechende Fettschicht für den Winter nicht aufbauen. Zudem war in der heurigen Saison auffallend, dass die Würfe eher groß mit 7 bis 8 Jungtieren waren, die Igelmutter entsprechend ausgezehrt.

Alle Igel, die bis Ende Oktober nicht die berühmten 700 bis 800g erreichen, haben nur sehr wenig Chance, den Winter zu überstehen. Diese Regel gilt vor allem auch für Jungtiere. (In manchen Igelforen schwirrt nämlich die Info „Jungtiere bräuchten nur 500g für den Winterschlaf!“ herum.) Gerade in den milden Wintern, wie wir sie in den letzten Jahren hatten, verlieren Igel mehr an Gewicht, da sie ja die Körperfunktionen nicht so weit absenken können, daher ist es umso wichtiger das Gewicht zu beachten!

Eine weitere problematische Aussage: „Igel nicht mehr füttern, sonst gehen sie nicht in den Winterschlaf!“

Damit der Gang in den Winterschlaf ausgelöst wird, sind mehrere Faktoren nötig, der Futterentzug ist nur einer davon. Stimmen die anderen Faktoren, geht der Igel schlafen – auch mit dem besten Menu vor seiner Nase. Wenn das Füttern aber eingestellt wird, verhungern alle anderen Igel, die noch zu klein oder zu dünn sind und Futter unbedingt bräuchten. Man darf eben keineswegs davon ausgehen, dass bei den relativ warmen Temperaturen noch genug Insekten oder Kleinsäuger da sind. Also bitte FÜTTERN, FÜTTERN, FÜTTERN – so lange bis das Futter stehen bleibt. Natürlich muss kontrolliert werden, ob der Igel frisst oder ein anderes Tier sich am Futternapf gütlich tut.

Wir alle hören in Medien und von div. Tierschutzorganisationen wie schlecht es um den Igel bestellt ist. Aus meiner 25-jährigen Erfahrung und Beobachtung heraus getraue ich mich sogar zu sagen, dass es in etwa 5 Jahren kaum mehr einen Igel geben wird, wenn wir nicht SOFORT umdenken. Das Wetter und deren Folgen können wir nicht beeinflussen, aber ein Umdenken in Bezug auf unsere Gärten könnte sehr wohl stattfinden (Lesen Sie bitte meine Broschüre „Igeloase“ – auf der HP zum Downloaden). Der größte Feind des Igels ist und bleibt der Mensch, nicht mehr so sehr der autofahrende, sondern der, der die Rasenroboter in seinen Gärten fuhrwerken lässt. Lassen Sie sich bitte nicht von Aussagen wie „igelfreundlicher“ Rasenroboter oder „nur tagsüber fahren lassen“ blenden. Es würde hier den Rahmen sprengen, dies genau zu begründen. Einzig und allein die Überlegung, dass mit dem Mähroboter mangels an blühenden Pflanzen und Verstecken für Insekten, Reptilien und Kleinsäuger verloren gehen, müsste schon Grund genug sein!

Tatsache: Igel brauchen zurzeit unbedingt unsere Hilfe! Das Problem, das dabei auftaucht, ist nur, wer soll ihnen diese Hilfe geben?

  • Tierheime nehmen nur in den seltensten Fällen diese armen Nützlinge auf.
  • Übrig bleiben Igel- und Wildtierauffangstationen, die rein PRIVAT sind, ehrenamtlich geführt werden und das Geld nur über Spenden bekommen. Gerade diese Menschen müssen sich oft beschimpfen lassen, weil sie z.B. am Handy nicht sofort abheben oder Tiere einfach vor die Haustüre gestellt bekommen, weil gerade niemand da ist.

Gemeldete offizielle Vereine (dennoch privat!), die nur Igel aufnehmen, gibt es in Österreich nur sehr wenige, mein Verein ist einer davon. Heuer stoßen wir alle an unsere Grenzen. So ergeht meine ganz, ganz große Bitte an alle, die auf einen hilfsbedürftigen Igel stoßen

nehmt euch um das „hilfsbedürftige Vicherl“ an und

gewährt ihm die Hilfe, die für euch möglich ist

sei es durch

*Abgeben an Fachleute (bei besonders kleinen oder kranken Tieren) oder wenn Sie die Rahmenbedingungen haben

* durch eigene Pflege unter Hilfe und Anleitung von Fachleuten, die gerade heuer bei der großen Anzahl SEHR hilfreich wäre.

Nur wenn wir ALLE an einem Strang ziehen

und da denke ich

  • an Tierheime, die ja auch andere Wildtiere wie z.B. das Eichhörnchen, …  (Warum eigentlich nicht den Igel?)
  • private Igel-Aufpäppler
  • und „Igelfinder“, die sich auf dieses Abenteuer einlassen. Leute, die die Pflege ihres eigenen Findlings übernehmen, kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen, es ist eine enorme Bereicherung! (Auch ich habe vor 25 Jahren mit so einem Findling begonnen.)

wird es möglich sein

so vielen Igeln als möglich zu helfen

und deren Weiterbestehen zu sichern.

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